„Lenkpause für Körper und Seele“
Danke an alle Fernfahrer!

 

Lenkpause

Wenn Sie am Wochenende oder an Feiertagen einen Rastplatz an der Autobahn anfahren, dann sehen Sie, dass diese überall voll geparkt sind mit LKWs. Die Fahrer/Innen sind häufig gezwungen, ihre Freizeit auf solchen Parkplätzen weit von Ihrem Zuhause und ihren Familien zu verbringen. Die meisten von Ihnen kommen aus Osteuropa, ihre Arbeitsbedingungen sind extrem schwierig und sie haben kaum die Möglichkeit sich auszutauschen. Die Arbeit im Logistiksektor ist in den letzten Jahren wesentlich härter geworden, der Termindruck ist erheblich gestiegen, ständige Kontrollen und lange Arbeitszeiten sind die Regel. Hinzu kommt, dass das gesellschaftliche Ansehen der Fahrer/Innen nicht hoch ist und sie oft nicht die Behandlung erfahren, die sie verdienen. Dabei sind gerade sie es, die für uns alle arbeiten - durch sie wird Wirtschaften, Produzieren und Konsumieren erst möglich.
Das Netzwerk Kirche und Arbeitswelt bietet den Fahrer/Innen Gespräche, sagt Danke für die Arbeit und möchte Wertschätzung für die Arbeit zum Ausdruck bringen.
 

Lenkpause Termine

Lenkpausen  sind an folgenden Samstagen geplant: 
  • 26.09.2026 Sommerlenkpause "Essen am gemeinsamen Tisch"  (die Idee der Vesperkirche umgesetzt am Rastplatz)
  • 05.12.2026 Nikolauslenkpause
Sie möchten mitmachen?
Und/Oder: Sie sprechen eine osteuropäische Sprache und würden uns gerne als Dolmetscher/in unterstützen?
Dann setzten Sie sich mit Heike Gotzmann in Verbindung unter
07731 875512 oder heike.gotzmann@betriebsseelsorge-freiburg.de
 
Wir freuen uns auch über Spenden zugunsten der Fernfahrerseelsorge, um weitere LENKPAUSEN finanzieren zu können. 
Das Geld wird 1 zu 1 ausschließlich für die Aktionen an der Autobahnraststätte Hegau verwendet.
Wie wichtig eine direkte Ansprache der Fahrer:innen ist, können Sie  unter nachfolgendem Link der Betriebsseelsorge in Mainz nachlesen ( Vorbei und doch nicht vorbei! | Betriebsseelsorge - Bistum Mainz), die die leidvollen Erfahrungen der Fahrer aus Gräfenhausen anprangert und wochenlang in Gräfenhausen zusammen mit der Fairen Mobilität und dem DGB vor Ort waren. Ausbeutung, vorenthaltener Lohn, schlechteste Bedingungen für die Fahrer:innen - das hat leider System. 
 
Konto:
Kirchengemeinde Hegau
IBAN: DE28 6005 0101 0002 3665 46
Verwendungszweck Lenkpause K9101005
LBBW/BW Bank Stuttgart
 
  

Impressionen vorangegangener Lenkpausen

  

Ansprechpartnerin Region Bodensee-Hohenzollern

Heike Gotzmann

Referentin für Betriebsseelsorge
 

Oster-Lenkpause am Karsamstag 4.4.2026

Bojan - ein LKW-Fahrer berichtet
Einsam in der Fahrerkabine und auf sich selbst gestellt
Kirche für Fernfahrer – LENKPAUSE am Rasthof Hegau
Bojan Mitric, ein junger Mann aus Serbien beschreibt es so: „Seit 8 Jahren arbeite ich als LKW-Fahrer mit Be- und Entladestationen in ganz Europa. Heute hier morgen dort. Ich fahre oftmals unter Termindruck, weil Baustellen Staus verursachen oder sich eine Abladung verzögert. Die fehlenden Parkplätze für den LKW mit Anhänger sind ein Riesenproblem.“ … und dann fügt er leise hinzu: „Wenn ich ehrlich bin, dann mag ich meine Arbeit nicht. Ich bin viel zu selten zu Hause und sehe meine Frau und meine kleine Tochter nur alle paar Wochen. Wenn ich dann wieder los muss, sind wir alle sehr traurig.“ Er wischt sich mit der Hand über die Augen.
 
Bojan lässt uns noch einen Blick in seine Fahrzeugkabine werfen. Die Schuhe stehen draußen auf dem Trittbrett. Direkt hinter dem Fahrersitz gibt es eine schmale Matratze, oben drüber befinden sich ein paar Fächer für persönliche Sachen. Eine elektrische Kühlbox steht im Fußraum des Beifahrersitzes und frisches Wasser holt er in Kanistern am Rastplatz. Sein Essen bereitet er sich bei trockenem Wetter auf einem kleinen Gaskocher im Freien zu. Er fahre für eine Spedition in Tschechien und erzählt, dass er das Glück hat, nur einen Arbeitgeber zu haben. Sein Lohn kommt pünktlich, so dass er seine Familie zu Hause verlässlich finanziell unterstützen kann.
 

Nikolaus-Lenkpause 2025

Netzwerk Kirche und Arbeitswelt sagt DANKE und bringt eine kleine Abwechslung in den Alltag von LKW-Fahrer/Innen. 

Seit 2018 engagieren sich Ehrenamtliche aus Betrieben bei der LENKPAUSE für LKW-Fahrer. Es gibt übers Jahr verteilt mehrere Wertschätzungsaktionen, dabei ist der Besuch auf dem Rasthof mehr als bürgerschaftliches Engagement. Es ist auch der Kampf um mehr Gerechtigkeit in der Arbeitswelt.
Die Nikolausaktion wird unterstützt und mitfinanziert durch das Bonifatiuswerk,
welches die Lenkpause mit 200 Schoko-Nikoläusen und einem Geldbetrag unterstützte. Verteilt wurde der echte Schokoladen-Nikolaus mit Mitra und Bischofsstab. Der Weihnachtsmann hatte Pause.
Weitere Lenkpausen in der Erzdiözese Freiburg gab es an den Autobahnraststätten Baden-Baden und in Pforzheim.
Fotos aus Pforzheim:
 
 

Lenkpause für Körper und Seele aus dem Erzbistum Freiburg gewinnt zweiten Platz des Bonifatiuspreises

SEHEN-URTEILEN-HANDELN 
Nach diesem Dreischritt nehmen wir Umbrüche in Gesellschaft und Arbeitswelt wahr und setzen mit unseren Aktionen ein Zeichen für solidarisches Handeln und Wertschätzung  für LKW-Fahrerinnen und -Fahrer an der Raststätte Hegau.
Ziel ist es, den Berufskraftfahrerinnen und  -Kraftfahrern,  die hohen physischen und psychischen Belastungen ausgesetzt sind, Unterstützung zu geben.
Aufgrund ihrer Arbeitssituation führt diese Berufsgruppe oftmals ein eher einsames Leben  und  ist mit ihren Sorgen und Nöten allein. Das Netzwerk Kirche und Arbeitswelt bietet  am Rastplatz die Möglichkeit für Gespräche, Austausch und Begegnung.
Gleichzeitig macht es auf die Situation der BerufskraftfahrerInnen aufmerksam und bringt Themen wie Parkplatznot, Termindruck, gesundheitliche Probleme und mangelnde Wertschätzung für die geleistete Arbeit in das öffentliche und politische Bewusstsein.
 
Dafür wurde am Sonntag 9. November in Köln der Bonifatiuspreis an die LENKPAUSE verliehen.
Stellvertretend für das Netzwerk Kirche und Arbeitswelt im Hegau nahmen das Organisationsteam bestehend aus Heike Gotzmannn/Betriebs- und Fernfahrerseelsorgerin, Klaus Käfer/Priester u. Betriebsseelsorger und Sybille Geitner/ehrenamtlich Mitwirkende den Preis entgegen.
 
 
10.11.2025 | Bonifatiuswerk würdigt kreative und innovative Zeugnisse lebendiger Kirche
Die „Lenkpause für Körper und Seele“ der Betriebs- und Fernfahrerseelsorge Bodensee-Hohenzollern gewinnt den mit 4.000 Euro dotierten zweiten Platz des „Bonifatiuspreises für missionarisches Handeln in Deutschland“, den das Bonifatiuswerk alle drei Jahre vergibt. Der diesjährige Wettbewerb stand unter dem Motto: „Kurs setzen. Neue Horizonte entdecken!“ Der Preis wurde am Sonntag während der Diaspora-Aktionseröffnung des Bonifatiuswerkes in Köln verliehen. 
 
Wer denkt beim Blick auf die Autobahn an die Menschen, die tagtäglich darauf unterwegs sind? An jene, die Regale füllen und die Versorgung sichern? Das Angebot der „Lenkpause für Körper und Seele“ rückt genau diese Menschen in den Mittelpunkt: die Fernfahrerinnen und Fernfahrer, die häufig unsichtbar bleiben und deren Arbeit selten gewürdigt wird.
Entstanden ist die Idee im ökumenischen Netzwerk „Kirche und Arbeitswelt im Hegau“. Seit 2018 kommen Seelsorgerinnen und Seelsorger gemeinsam mit Ehrenamtlichen dorthin, wo die Fahrerinnen und Fahrer sind: auf die Rastplätze entlang der Autobahn in Hegau in Baden-Württemberg und am Zollamt zur Schweiz. Sie schenken Zeit, offene Ohren – und vor allem Respekt.
 
Inspiriert von der Vesperkirche und dem Gedanken „Essen und Trinken am gemeinsamen Tisch“ – so einfach und doch so tiefgründig – werden die Fahrerinnen und Fahrer im Sommer bei einem Begegnungsfest bewirtet. Während der sogenannten „Lenkpausen“, die drei- bis viermal im Jahr stattfinden, verteilen die Ehrenamtlichen Präsente wie Duschgutscheine oder Holzkreuze, die in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung hergestellt werden. Pro Lenkpause werden bis zu 100 Fahrerinnen und Fahrer erreicht.  
 
Die mehr als 30 Ehrenamtlichen werden unter anderem von Pfarrer Klaus Käfer, selbst Lkw-Fahrer und Heike Gotzmann, Betriebs- und Fernfahrerseelsorgerin unterstützt. „Die Lenkpause steht beispielhaft für solidarisches Handeln und den Einsatz für Menschen, die kaum eine Lobby haben. Diese besonderen Pausen sind für Lkw-Fahrer gelebtes Evangelium. Es geht darum, die unveräußerliche und von Gott gegebene Würde eines jeden Menschen sichtbar zu machen“, erklärt Heike Gotzmann, die schon oft Geschichten von Entbehrung und Einsamkeit, aber auch von Dankbarkeit gehört hat. Es fallen Sätze wie: „Ich fahre seit über 30 Jahren Lkw, aber noch nie hat sich jemand für meine Arbeit bedankt.“ Oder: „Wie malen Kinder ein Auto? Immer ohne Fahrer – und so fühle ich mich: ungesehen.“ Für Heike Gotzmann sind das Worte, die durch Mark und Bein gehen. Ein ganz besonderer und bewegender Moment war für sie, als sie einem Fahrer ein Holzkreuz in die Lenkkabine geben wollte: „Ein Fahrer ist extra ausgestiegen, neigte seinen Kopf, und es war ihm sehr wichtig, dass ich ihm das Kreuz um den Hals hänge und ihn segne.“
 
Die Freude über die Auszeichnung durch den Bonifatiuspreis ist groß, denn „das Preisgeld sichert uns die Finanzierung für die Lenkpausen in den kommenden zwei Jahren.“ Ergänzend sagt Gotzmann: „Gerne möchten wir die Lenkpause auch deutschlandweit in die Fläche bringen und sind bereit, Gruppierungen bei der Umsetzung Starthilfe zu geben.“
Für die sechsköpfige Jury ist die „Lenkpause für Körper und Seele“ ein zutiefst menschliches Projekt: „Es werden Gespräche geführt, Sorgen geteilt, dort geschieht Seelsorge auf dem Asphalt, mitten im Lärm der Lastwagen. Die Lenkpause zeigt, was Kirche sein kann: ein Ort der Nähe, der Würde und der Wertschätzung. Hier wird Glaube erfahrbar – nicht in großen Gebäuden, sondern unmittelbar auf dem Rastplatz“, begründet Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen als Jurymitglied die Entscheidung für die Prämierung. Außer ihm gehörten der Paderborner Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz, Dr. Thadäus König, thüringischer Landtagspräsident, Schriftstellerin Nora Bossong, Journalistin Daniela Ordowski sowie Dr. Martina Kreidler-Kos, Leiterin des Seelsorgeamtes im Bistum Osnabrück, zur diesjährigen Bonifatiuspreis-Jury. 
 
 
 

Sommer-Lenkpause für LKW-Fahrer/Innen 2025

Begegnungsfest an der Autobahn
Dank und Einladung
Es gibt Berufe, die sind echt hart. - Der Beruf des Berufs-Kraftfahrers gehört mit Sicherheit dazu!
 
Die LENKPAUSE an der A81, die das Netzwerk Kirche und Arbeitswelt (hier engagieren sich Mitarbeitende aus Singener Betrieben) mehrfach im Jahr durchführt kann da zwar keine Abhilfe schaffen, aber mit den Aktionen wird den Menschen hinter dem Lenkrad Wertschätzung, Anerkennung und Solidarität entgegengebracht.
Unzureichende Infrastruktur (viel zu wenig Parkplätze an den Autobahnen, Bundesstraßen und in Industriegebieten, sowie der Zugang zu bezahlbaren sanitären Einrichtungen) sind nur ein Aspekt des Berufes.
Die körperlich anstrengende Arbeit wird kaum wertgeschätzt. Fahren die Fahrer nach dem Be- oder Entladen weg von der Rampe, so kann kaum ein Mitarbeitender des Betriebes, eine halbwegs zutreffende Personenbeschreibung abgeben. Michaijlo (ein Fahrer aus Mazedonien) berichtet: „Ich bin nur Mittel zum Zweck oder werde auf der Autobahn angehupt und als Störfaktor gesehen.“
Neben der körperlichen Dimension gibt es die psychische Komponente: Die Fahrer sind auf sich gestellt, parken heute hier und morgen dort, immer rechtzeitig auf der Suche nach einer freien Parktasche und haben kaum Möglichkeiten soziale Kontakte zu pflegen. Die Familie, die sie über Handy kontaktieren, ist hunderte Kilometer entfernt. Die Ehepartner und Kinder müssen mit abwesenden Partnern und Elternteilen irgendwie klarkommen. Das ist nicht einfach. Ivo (aus Belarus) berichtete, dass er schon seit 5 Monaten unterwegs ist und bestenfalls erst wieder in 4 Wochen zu Hause sein kann. „Ich vermisse meine Frau Alena und meine zwei kleinen Kinder Kira 4 Jahre und Jelena 2 Jahre.“ Immer wieder treffen wir auf Fahrer, die uns tränenreich von auseinander gebrochenen Beziehungen erzählen, was uns jedes Mal sehr berührt.
Heike Gotzmann, Betriebsseelsorgerin organisiert seit 2018 die LENKPAUSEN im Hegau. Am Samstag 28.06. fand wieder eine Lenkpause statt. Das wichtigste ist die Begegnung und das Gespräch, wofür Dolmetscherinnen, die über osteuropäische Sprachkenntnisse verfügen, helfen, um die Sprachbarrieren zu überwinden. Bei Pizza und kühlen Getränken kamen gute Gespräche mit den Fernfahrer/innen zustande. Über einen Schlagstock konnten aber auch Christophorus Münzen geprägt werden (Christophorus gilt als Schutzheiliger für Reisende).
Mit von der Partie war ein geschnitzter König und eine lebensgroße Figur des Königs, der als Symbol für die unveräußerliche Würde eines jeden Menschen steht (vgl. Vesperkirche Singen im Januar 2025).
Abgerundet wurde der sehr gelungen Nachmittag durch die Band „Message“ aus Burladingen, die aktuelles internationales Liedgut interpretierte. Mitgebracht hat diese Pfarrer und Fernfahrerseelsorger Klaus Käfer, der im Oktober in die Pfarrei neu nach Singen wechseln wird und ebenfalls bei der LENKPAUSE ein Mann der 1. Stunde ist. Die Fahrer fanden es klasse und sangen, tanzen und klatschten mit.
Besonders bedankten sich die Fahrer bei den extrem heißen Temperaturen für die Duschgutscheine, die das Netzwerk kostenlos an diese verteilt hat und die über Spendengelder der LENKPAUSE finanziert werden.
 

Fernfahrer: ein Leben in Einsamkeit und schwierige Arbeitsverhältnisse
Wenn Sie am Wochenende oder an Feiertagen  auf irgendeiner Autobahn einen Rastplatz  anfahren, dann sehen Sie, dass diese überall voll geparkt sind mit LKWs. Die Fahrer/Innen sind häufig gezwungen, ihre Freizeit auf solchen Parkplätzen weit von Ihrem Zuhause und ihren Familien zu verbringen. Die meisten von Ihnen kommen aus Osteuropa, ihre Arbeitsbedingungen sind extrem schwierig und sie haben kaum die Möglichkeit sich auszutauschen. Die Arbeit im Logistiksektor ist in den letzten Jahren wesentlich härter geworden, der Termindruck ist erheblich gestiegen, ständige Kontrollen und lange Arbeitszeiten sind die Regel. Hinzu kommt, dass das gesellschaftliche Ansehen der Fahrer/Innen nicht hoch ist und sie oft nicht die Behandlung erfahren, die sie verdienen. Und doch muss man sich immer wieder klar machen, dass diese Fahrer/Innen für uns alle arbeiten; durch sie wird Wirtschaften, Produzieren und Konsumieren erst möglich.
Sie arbeiten für uns alle; durch sie wird Wirtschaften, Produzieren und Konsumieren erst möglich und sie sind verdammt allein gelassen!
Um diesen Menschen eine Möglichkeit für Gespräche, Austausch und Begegnung zu geben, haben die Arbeitnehmerseelsorge, das Kath. Dekanat Hegau und das ökumenischen Netzwerk „Kirche und Arbeitswelt“ am Samstag, 21. und Sonntag 22. April 2018, die deutschlandweit erste „Lenkpause für Körper und Seele“ an der Autobahnkapelle Hegau durchgeführt. Mit Informationsständen waren die katholische Fernfahrerseelsorge, Ver.di, der DGB, Faire Mobilität, Europäische Transportarbeiter-Föderation und das Polizeipräsidium Konstanz vor Ort. Über fünfzig ehrenamtliche Helfer/Innen haben mitgewirkt; dass die „Lenkpause“ ein Erfolg wurde, auch wenn sie sich anders entwickelt hat, als ursprünglich gedacht, ist ihnen zu verdanken. Ihr unermüdliches Engagement während der beiden Tage, aber auch schon bei der Vorbereitung, ihre Offenheit für Kontakte und ihre Bereitschaft zur Improvisation waren einfach großartig. Es wurden ca.700 Essen, Kaffee, alkoholfreie Getränke, Obst, Kuchen etc. an die Fernfahrer ausgegeben. Per Shuttle-Bus wurden diese auch von anderen Parkplätzen in der Umgebung abgeholt und zur Kapelle gebracht.
Es kam zu vielen Gesprächen und Begegnungen mit den Fahrern, die dank eines Dolmetscher- Teams sehr intensiv geführt werden konnten. Am Anfang war die Skepsis groß, denn die Fahrer sind es nicht gewohnt angesprochen zu werden; sie sind nicht daran gewöhnt, dass sich jemand für sie und ihre Arbeitssituation interessiert, ihnen zuhört, ihre Ängste und Sorgen ernst nimmt, ihre Erfahrungen und Erlebnisse mit ihnen teilen will. In der Regel sind sie wochenlang unterwegs, allein und ziemlich einsam; weit von Freunden und Familien wird die Kabine zu ihrem Zuhause. Das Smartphone und das Tablet stellen die einzige Möglichkeit für sie dar, in Kontakt mit ihren Lieben zu bleiben.
Die Lenkpause hat Bogdan für ein Wochenende aus der Kabine herausgeholt und ihm Austausch und Teilnahme ermöglicht.
Bogdan, Fernfahrer aus der Ukraine, erzählt uns: „ An den Wochenenden sind wir nicht mobil. Keinen Meter, keine Minute dürfen wir in der Pause fahren; und ausgerechnet an einem Wochenende fiel mir mein Tablet von der Kabine herunter. Es war natürlich kaputt!  Und an diesem Abend war ich mit meiner Familie zum Chatten verabredet! Ohne auch nur eine Minute zu zögern machte ich mich zu Fuß auf den Weg zum nächsten Mediamarkt, um ein neues zu kaufen. Das waren mehr als 30 Kilometer hin und zurück! Das neue Tablet kostete 150 Euro, das ist sehr viel Geld für mich, aber ich überlegte keine Sekunde. Die Vorstellung, am Abend keinen Kontakt zu meiner Familie aufnehmen zu können, schien mir unerträglich; ich wollte sie unbedingt hören, sehen und mit allen sprechen. Ich wollte nicht das Gefühl haben, allein zu sein. Nach dem Kauf stieg ich zufrieden in meinen 40-Tonner. Vielleicht ist das für viele schwer zu verstehen, aber das Tablet gibt mir Sicherheit, das Gefühl, dass ich nicht alleine bin, dass ich eine Familie und Freunde habe.“
Auch am Wochenende der „Lenkpause“ hat Bogdan das Tablet immer bei sich gehabt. Er hat viel aufgenommen und er wollte selbst aufgenommen werden, auch als er im Gottesdienst ein Gebet auf Ukrainisch gelesen hat. Die Aufnahmen wollte er dann später, von der Kabine aus, seiner Familie und seinen Freunden schicken, um sie teilnehmen zu lassen an seiner Welt, er wollte sie beruhigen und ihnen zeigen, dass es auch unterwegs Menschen gibt, die an ihm interessiert sind. Er wollte zeigen, dass er lebt.
Die Lenkpause hat Bogdan und einige seiner Kollegen für ein Wochenende aus ihrer Einsamkeit herausgeholt, sie hat ihnen Austausch und Teilnahme ermöglicht. Das hat alle Beteiligten noch einmal in ihrer Überzeugung bestätigt, dass die Kirche sich dorthin bewegen muss, wo die Menschen sind, wo sie leben und arbeiten. Eine solche Annäherung der Kirche an die Lebenswelten der Menschen, eine solche direkte Vermittlung der christlichen Nächstenliebe motiviert offensichtlich auch Ehrenamtliche aus Pfarrgemeinden und Netzwerken dazu, sich zu engagieren, da sie bei solchen Einsätzen erfahren, dass Kirche auch an „anderen Orten“ spürbar werden kann und nicht reduziert ist auf sakrale Räume. Sie erfahren, dass die Kirche überall in unserem Leben präsent ist.
Diese Aktion wird sicher wiederholt werden, und es ist zu hoffen, dass die Idee Schule macht.
Auf dem deutschen Autobahnnetz gibt es mehr als fünfzig Autobahnkapellen und unendlich viele Parkplätze. Es wäre schön, wenn die Fernfahrer in Zukunft nicht nur im Hegau eine solche Lenkpause einlegen könnten.
 
Gianfranco Rizzuti