„Lenkpause für Körper und Seele“
Danke an alle Fernfahrer!

 

Lenkpause

Wenn Sie am Wochenende oder an Feiertagen einen Rastplatz an der Autobahn anfahren, dann sehen Sie, dass diese überall voll geparkt sind mit LKWs. Die Fahrer/Innen sind häufig gezwungen, ihre Freizeit auf solchen Parkplätzen weit von Ihrem Zuhause und ihren Familien zu verbringen. Die meisten von Ihnen kommen aus Osteuropa, ihre Arbeitsbedingungen sind extrem schwierig und sie haben kaum die Möglichkeit sich auszutauschen. Die Arbeit im Logistiksektor ist in den letzten Jahren wesentlich härter geworden, der Termindruck ist erheblich gestiegen, ständige Kontrollen und lange Arbeitszeiten sind die Regel. Hinzu kommt, dass das gesellschaftliche Ansehen der Fahrer/Innen nicht hoch ist und sie oft nicht die Behandlung erfahren, die sie verdienen. Dabei sind gerade sie es, die für uns alle arbeiten - durch sie wird Wirtschaften, Produzieren und Konsumieren erst möglich.
Das Netzwerk Kirche und Arbeitswelt bietet den Fahrer/Innen Gespräche, sagt Danke für die Arbeit und möchte Wertschätzung für die Arbeit zum Ausdruck bringen.
 

Lenkpause Termine

Lenkpausen  sind an folgenden Samstagen geplant: 
  • 05.12.2026 Nikolaus-Lenkpause
  • 27.03.2026 Oster-Lenkpause
  • 25.09.2027 Sommer-Lenkpause
Sie möchten mitmachen?
Und/Oder: Sie sprechen eine osteuropäische Sprache und würden uns gerne als Dolmetscher/in unterstützen?
Dann setzten Sie sich mit Heike Gotzmann in Verbindung unter
07731 875512 oder heike.gotzmann@dst-bh.de
 
Wir freuen uns auch über Spenden zugunsten der Fernfahrerseelsorge, um weitere LENKPAUSEN finanzieren zu können. 
Das Geld wird 1 zu 1 ausschließlich für die Aktionen an der Autobahnraststätte Hegau verwendet.
Wie wichtig eine direkte Ansprache der Fahrer:innen ist, können Sie  unter nachfolgendem Link der Betriebsseelsorge in Mainz nachlesen ( Vorbei und doch nicht vorbei! | Betriebsseelsorge - Bistum Mainz), die die leidvollen Erfahrungen der Fahrer aus Gräfenhausen anprangert und wochenlang in Gräfenhausen zusammen mit der Fairen Mobilität und dem DGB vor Ort waren. Ausbeutung, vorenthaltener Lohn, schlechteste Bedingungen für die Fahrer:innen - das hat leider System. 
 
Konto:
Kirchengemeinde Hegau
IBAN: DE28 6005 0101 0002 3665 46
Verwendungszweck Lenkpause K9101005
LBBW/BW Bank Stuttgart
 
  

Impressionen vorangegangener Lenkpausen

  

Ansprechpartnerin Region Bodensee-Hohenzollern

Heike Gotzmann

Referentin für Betriebsseelsorge
 

Sommer-Lenkpause 26.09.2026

Begegnungsfest an der Autobahn
Kurz vor dem Tag der Menschenwürdigen Arbeit (7.Oktober), macht das Netzwerk Kirche und Arbeitswelt an den Raststätten der A81 Hegau auf die prekäre Situation der LKW-Fahrer*innen aufmerksam.
Nach dem Motto "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es."(Erich Kästner), waren 30 ehrenamtlich Mitwirkende auf dem Rastplatz unterwegs, um ein tolles Begegnungsfest für LKW-Fahrer*innen auszurichten. 
 
Bericht des Südkurier vom 29.09.2026
 

Oster-Lenkpause am Karsamstag 4.4.2026

Bojan - ein LKW-Fahrer berichtet
Einsam in der Fahrerkabine und auf sich selbst gestellt
Kirche für Fernfahrer – LENKPAUSE am Rasthof Hegau
Bojan Mitric, ein junger Mann aus Serbien beschreibt es so: „Seit 8 Jahren arbeite ich als LKW-Fahrer mit Be- und Entladestationen in ganz Europa. Heute hier morgen dort. Ich fahre oftmals unter Termindruck, weil Baustellen Staus verursachen oder sich eine Abladung verzögert. Die fehlenden Parkplätze für den LKW mit Anhänger sind ein Riesenproblem.“ … und dann fügt er leise hinzu: „Wenn ich ehrlich bin, dann mag ich meine Arbeit nicht. Ich bin viel zu selten zu Hause und sehe meine Frau und meine kleine Tochter nur alle paar Wochen. Wenn ich dann wieder los muss, sind wir alle sehr traurig.“ Er wischt sich mit der Hand über die Augen.
 
Bojan lässt uns noch einen Blick in seine Fahrzeugkabine werfen. Die Schuhe stehen draußen auf dem Trittbrett. Direkt hinter dem Fahrersitz gibt es eine schmale Matratze, oben drüber befinden sich ein paar Fächer für persönliche Sachen. Eine elektrische Kühlbox steht im Fußraum des Beifahrersitzes und frisches Wasser holt er in Kanistern am Rastplatz. Sein Essen bereitet er sich bei trockenem Wetter auf einem kleinen Gaskocher im Freien zu. Er fahre für eine Spedition in Tschechien und erzählt, dass er das Glück hat, nur einen Arbeitgeber zu haben. Sein Lohn kommt pünktlich, so dass er seine Familie zu Hause verlässlich finanziell unterstützen kann.
 

Nikolaus-Lenkpause 2025

Netzwerk Kirche und Arbeitswelt sagt DANKE und bringt eine kleine Abwechslung in den Alltag von LKW-Fahrer/Innen. 

Seit 2018 engagieren sich Ehrenamtliche aus Betrieben bei der LENKPAUSE für LKW-Fahrer. Es gibt übers Jahr verteilt mehrere Wertschätzungsaktionen, dabei ist der Besuch auf dem Rasthof mehr als bürgerschaftliches Engagement. Es ist auch der Kampf um mehr Gerechtigkeit in der Arbeitswelt.
Die Nikolausaktion wird unterstützt und mitfinanziert durch das Bonifatiuswerk,
welches die Lenkpause mit 200 Schoko-Nikoläusen und einem Geldbetrag unterstützte. Verteilt wurde der echte Schokoladen-Nikolaus mit Mitra und Bischofsstab. Der Weihnachtsmann hatte Pause.
Weitere Lenkpausen in der Erzdiözese Freiburg gab es an den Autobahnraststätten Baden-Baden und in Pforzheim.
Fotos aus Pforzheim:
 
  

Fernfahrer: ein Leben in Einsamkeit und schwierige Arbeitsverhältnisse
Wenn Sie am Wochenende oder an Feiertagen  auf irgendeiner Autobahn einen Rastplatz  anfahren, dann sehen Sie, dass diese überall voll geparkt sind mit LKWs. Die Fahrer/Innen sind häufig gezwungen, ihre Freizeit auf solchen Parkplätzen weit von Ihrem Zuhause und ihren Familien zu verbringen. Die meisten von Ihnen kommen aus Osteuropa, ihre Arbeitsbedingungen sind extrem schwierig und sie haben kaum die Möglichkeit sich auszutauschen. Die Arbeit im Logistiksektor ist in den letzten Jahren wesentlich härter geworden, der Termindruck ist erheblich gestiegen, ständige Kontrollen und lange Arbeitszeiten sind die Regel. Hinzu kommt, dass das gesellschaftliche Ansehen der Fahrer/Innen nicht hoch ist und sie oft nicht die Behandlung erfahren, die sie verdienen. Und doch muss man sich immer wieder klar machen, dass diese Fahrer/Innen für uns alle arbeiten; durch sie wird Wirtschaften, Produzieren und Konsumieren erst möglich.
Sie arbeiten für uns alle; durch sie wird Wirtschaften, Produzieren und Konsumieren erst möglich und sie sind verdammt allein gelassen!
Um diesen Menschen eine Möglichkeit für Gespräche, Austausch und Begegnung zu geben, haben die Arbeitnehmerseelsorge, das Kath. Dekanat Hegau und das ökumenischen Netzwerk „Kirche und Arbeitswelt“ am Samstag, 21. und Sonntag 22. April 2018, die deutschlandweit erste „Lenkpause für Körper und Seele“ an der Autobahnkapelle Hegau durchgeführt. Mit Informationsständen waren die katholische Fernfahrerseelsorge, Ver.di, der DGB, Faire Mobilität, Europäische Transportarbeiter-Föderation und das Polizeipräsidium Konstanz vor Ort. Über fünfzig ehrenamtliche Helfer/Innen haben mitgewirkt; dass die „Lenkpause“ ein Erfolg wurde, auch wenn sie sich anders entwickelt hat, als ursprünglich gedacht, ist ihnen zu verdanken. Ihr unermüdliches Engagement während der beiden Tage, aber auch schon bei der Vorbereitung, ihre Offenheit für Kontakte und ihre Bereitschaft zur Improvisation waren einfach großartig. Es wurden ca.700 Essen, Kaffee, alkoholfreie Getränke, Obst, Kuchen etc. an die Fernfahrer ausgegeben. Per Shuttle-Bus wurden diese auch von anderen Parkplätzen in der Umgebung abgeholt und zur Kapelle gebracht.
Es kam zu vielen Gesprächen und Begegnungen mit den Fahrern, die dank eines Dolmetscher- Teams sehr intensiv geführt werden konnten. Am Anfang war die Skepsis groß, denn die Fahrer sind es nicht gewohnt angesprochen zu werden; sie sind nicht daran gewöhnt, dass sich jemand für sie und ihre Arbeitssituation interessiert, ihnen zuhört, ihre Ängste und Sorgen ernst nimmt, ihre Erfahrungen und Erlebnisse mit ihnen teilen will. In der Regel sind sie wochenlang unterwegs, allein und ziemlich einsam; weit von Freunden und Familien wird die Kabine zu ihrem Zuhause. Das Smartphone und das Tablet stellen die einzige Möglichkeit für sie dar, in Kontakt mit ihren Lieben zu bleiben.
Die Lenkpause hat Bogdan für ein Wochenende aus der Kabine herausgeholt und ihm Austausch und Teilnahme ermöglicht.
Bogdan, Fernfahrer aus der Ukraine, erzählt uns: „ An den Wochenenden sind wir nicht mobil. Keinen Meter, keine Minute dürfen wir in der Pause fahren; und ausgerechnet an einem Wochenende fiel mir mein Tablet von der Kabine herunter. Es war natürlich kaputt!  Und an diesem Abend war ich mit meiner Familie zum Chatten verabredet! Ohne auch nur eine Minute zu zögern machte ich mich zu Fuß auf den Weg zum nächsten Mediamarkt, um ein neues zu kaufen. Das waren mehr als 30 Kilometer hin und zurück! Das neue Tablet kostete 150 Euro, das ist sehr viel Geld für mich, aber ich überlegte keine Sekunde. Die Vorstellung, am Abend keinen Kontakt zu meiner Familie aufnehmen zu können, schien mir unerträglich; ich wollte sie unbedingt hören, sehen und mit allen sprechen. Ich wollte nicht das Gefühl haben, allein zu sein. Nach dem Kauf stieg ich zufrieden in meinen 40-Tonner. Vielleicht ist das für viele schwer zu verstehen, aber das Tablet gibt mir Sicherheit, das Gefühl, dass ich nicht alleine bin, dass ich eine Familie und Freunde habe.“
Auch am Wochenende der „Lenkpause“ hat Bogdan das Tablet immer bei sich gehabt. Er hat viel aufgenommen und er wollte selbst aufgenommen werden, auch als er im Gottesdienst ein Gebet auf Ukrainisch gelesen hat. Die Aufnahmen wollte er dann später, von der Kabine aus, seiner Familie und seinen Freunden schicken, um sie teilnehmen zu lassen an seiner Welt, er wollte sie beruhigen und ihnen zeigen, dass es auch unterwegs Menschen gibt, die an ihm interessiert sind. Er wollte zeigen, dass er lebt.
Die Lenkpause hat Bogdan und einige seiner Kollegen für ein Wochenende aus ihrer Einsamkeit herausgeholt, sie hat ihnen Austausch und Teilnahme ermöglicht. Das hat alle Beteiligten noch einmal in ihrer Überzeugung bestätigt, dass die Kirche sich dorthin bewegen muss, wo die Menschen sind, wo sie leben und arbeiten. Eine solche Annäherung der Kirche an die Lebenswelten der Menschen, eine solche direkte Vermittlung der christlichen Nächstenliebe motiviert offensichtlich auch Ehrenamtliche aus Pfarrgemeinden und Netzwerken dazu, sich zu engagieren, da sie bei solchen Einsätzen erfahren, dass Kirche auch an „anderen Orten“ spürbar werden kann und nicht reduziert ist auf sakrale Räume. Sie erfahren, dass die Kirche überall in unserem Leben präsent ist.
Diese Aktion wird sicher wiederholt werden, und es ist zu hoffen, dass die Idee Schule macht.
Auf dem deutschen Autobahnnetz gibt es mehr als fünfzig Autobahnkapellen und unendlich viele Parkplätze. Es wäre schön, wenn die Fernfahrer in Zukunft nicht nur im Hegau eine solche Lenkpause einlegen könnten.
 
Gianfranco Rizzuti